Wochenendtrip nach Kopenhagen

Kopenhagen — oder København wie die Stadt im Dänischen heißt — ist eine traumhaft schöne Stadt und einen Wochenendtrip dorthin auf jeden Fall wert, auch wenn die Stadt im Allgemeinen teuer ist. Besonders bekannt sind die bunten Häuschen im Hafen Nyhavn.

Unterkunft

Hotels sind in Kopenhagen — wie alles andere auch — sehr teuer. Bei unserem Trip zu zweit Mitte Juni 2019 gab es teilweise kein Zimmer unter 100€ pro Nacht pro Person. Hostels waren auch vergleichsweise teuer: Bei unserer Suche etwa 50€ pro Person pro Nacht. Das beste Preis-Leistung-Verhältnis bieten Apartments von Airbnb.

Wir haben bei Airbnb ein schnuckeliges Apartment im Stadtteil Vesterbro süd-westlich des Hauptbahnhofs gefunden. Vesterbro ist ein sehr hippes Viertel und wurde uns von Kopenhagenern als der place-to-be für junge Erwachsene wie uns genannt (neben Nørrebro).

Bezahlen

Obwohl Dänemark ein EU-Mitgliedsstaat ist, sind das Zahlungsmittel die Dänischen Kronen (DK). Mit Euro kann nicht gezahlt werden. Der Umrechnungskurs ist sehr stabil bei etwa 1€ = 7,5DK.

In Dänemark ist es aber gängig alles mit Plastikgeld, also der Kreditkarte, zu zahlen. Überall, selbst im Kiosk an der Ecke, lässt sich mit Kreditkarte zahlen. Da liegt aber auch der Haken: Denn weil die Landeswährung nicht auf Euro lautet, zahlt man mit der Kreditkarte oft eine Gebühr von 2% aufgrund des Nicht-Euro-Gebietes. Dagegen ist das Bargeldabheben „kostenlos“ — es sei denn der Automatenbetreiber erhebt eine Gebühr und das tut er leider.

Ich dachte ich könnte die 2% Gebühr bei Zahlung mit meiner Kreditkarte umgehen indem ich Geld abhebe und alles bar bezahle. Das Geld abheben hat bei mir aber 40 DK Gebühr bei der Danske Bank gekostet. Außerdem war der Wechselkurs so lala. Letzten Endes also fast genauso teuer wie die 2% Gebühr auf die Kreditkarte. Nur dass ich daheim noch Kronen rumfliegen habe, die ich nicht ausgegeben habe. Außerhalb von Dänemark kann man damit leider nicht wirklich etwas anfangen.

Beförderung

Durch die Stadt kommt man gut zu Fuß. Sonst bieten sich auch die Metro, die S-Bahn oder der Bus an. Allerdings sind die Fahrpreise teuer, deswegen haben wir die größtenteils Öffis gemieden. Es gibt auch das Angebot von Mehrtages-Touri-Karten bei denen auch Eintritte zu Sehenswürdigkeiten enthalten sind. Allerdings haben wir auch nur ein mal Eintritt gezahlt, am Rundturm. Ich kann daher nicht sagen ob sich die Karten lohnen, das muss jeder für sich entscheiden.

Am allerbesten erkundet man Kopenhagen aber mit dem Fahrrad. Die Stadt hat ein sehr gut ausgebautes Netz an breiten Radwegen. Überall in der Stadt. Überall. Es gibt sogar eigene Fahrradbrücken mit Verbot für Fußgänger und Autos sowieso. Im Straßenverkehr sind die Räder auch an der Spitze der Ordnung. Die Autofahrer sind hier — so zumindest mein Eindruck — wesentlich rücksichtsvoller gegenüber Radfahrern als in Deutschland. Man sollte auf den Radwegen aber immer ganz rechts fahren, denn von hinten kommt immer ein Radfahrer der schneller ist und überholen wird. Wir haben unsere Fahrräder in Vesterbro bei einem kleinen Fahrradladen für 20€ pro Rad pro Tag gemietet. Als Pfand mussten wir einen Ausweis hinterlegen.

Eine Alternative zum Rad sind die E-Scooter von den üblichen Anbietern wie Tier, Lime, Circ, usw. Allerdings sind auch die Preise für E-Scooter hoch. Bei meiner längsten Fahrt über 4,5km habe ich etwa 7€ gezahlt. Daher sollte man nur im Notfall auf die E-Scooter ausweichen. Auf den gut ausgebauten Radwegen macht das Fahren mit den E-Scootern aber auch Spaß. Wobei man mit dem Rad doch deutlich schneller unterwegs ist als die maximalen 20km/h des E-Scooters.

Zu guter letzt kann man auch im Stadtgebiet die gelben movia-Fähren der Linien 991 und 992 verwenden. So sind wir einmal von der Opern-Insel ziemlich im Norden bis auf die höhe von Vesterbro im Süden gefahren. Die Fähren legen immer mit dem Bug am Steg an, wobei der ganze Steg wackelt. Wirkt etwas martialisch. Am Samstag haben wir auch erlebt, dass wir 15 Minuten auf ein Boot gewartet haben. Als das Boot angekommen ist, sagte uns der Kapitän das Boot sei voll und könne keine weiteren Passagiere mehr aufnehmen. Das nächste Boot käme in 30 Minuten aber ohne Gewähr ob dieses Platz habe. Also mussten wir nach vergeudeter Wartezeit doch auf andere Transportmittel umsteigen.

Frühstücken

Wir haben während unseres Aufenthalts in Vesterbro insbesondere das Mad & Kaffe direkt in Vesterbro ins Herz geschlossen. Die Avocado gefüllt mit Harissa ist dort super lecker. Für ein 3-Komponenten-Frühstück und einen Kaffee zahlt man hier so um die 120-130DK.

Ebenfalls in Vesterbro ist das Enghave Café zu empfehlen. Hier gibt es beim Frühstück eine nicht ganz so große Auswahl, aber der Kaffee ist genial. Das Frühstück hat hier 100DK gekostet.

Für Frühstücksbowls und Pancakes eignet sich das Glo Food ebenfalls in Vesterbro. Leider haben wir es zeitlich nicht geschafft uns selbst ein Bild zu machen.

Sehenswürdigkeiten

Die klassischen Sehenswürdigkeiten von Kopenhagen sind:

  • Nyhavn: Die bunten Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert im Nyhavn sind einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Im Erdgeschoss der Häuser finden sich viele Café und Restaurants. Generell ist der Nyhavn sehr touristisch und das Gedrängel groß. Ein Highlight für die Touristen ist, wenn ein Segelboot den Hafen verlässt und dafür die Brücken des Nyhavn senkrecht in den Himmel gefahren werden.
  • Der Rundturm (Rundetårn): Der Rundturm ist ein astronomischer Turm. In dem Turm befinden sich Kunstausstellungen und auf dem Dach ein Aussichtspunkt. Das besondere an dem Turn ist, dass er keine Stufen, sondern eine steile, sich windende Rampe im Inneren hat, sodass man ihn mit dem Pferd hinauf reiten kann. Auf den letzten Metern befindet sich eine sehr schmale Wendetreppe, auf der Personen entweder nur auf- oder absteigen können. Nicht besonders barrierefrei. Generell ist der Turm für ältere oder behinderte Menschen aufgrund der Zugänglichkeit nicht zu empfehlen. Der Eintritt kostet 25DK.
  • Die Einkaufsstraßen Strøget und Strædet
  • Das Schloss Christiansborg, welches ebenfalls einen Turm mit Aussichtspunkt hat. Während unseres Besuchs war der Aussichtspunkt allerdings geschlossen.
  • Das Schloss Amalienburg: Für die Touristen ist hier das Highlight die tägliche Wachablösung um 12 Uhr mitten auf dem Platz im Inneren.
  • Ny Carlsberg Glyptotek (Carlsberg Museum)
  • Christiansholm (auch Paper Island genannt) liegt gegenüber dem Nyhvn auf einer kleinen Hafeninsel mit alten Fabrikhallen indem sich nun ein Food Market befindet.
  • Der Superkilen Park in Nørrebro liegt direkt auf der Fahrrad-Route, die Kopenhagen umrundet, und beeindruckt als Kunstprojekt.
  • Das Kastell von Kopenhagen mit seiner sternförmigen Anordnung, umgeben von Wassergräben, im Nordosten der Stadt.
  • Die Freistadt Christiana ist eine vom Staat Dänemark geduldete autonome Gemeinde innerhalb des Stadtgebiets von Kopenhagen. Hier gelten eigene Regeln, so ist z.B. der Verkauf und Konsum von Cannabis erlaubt. Fotos sind in der Freistadt verboten.

Essen

Am bekanntesten ist das Smørrebrød, eine reichlich belegte Vollkornbrotscheibe, die als kaltes Mittagsgericht gegessen wird. Typisch dänisches sind auch die Hotdogs, die an Ständen in der Stadt zu kaufen gibt. Die Hotdogs werden üblicherweise mit Röstzwiebeln, Gurken und Remoulade überladen. Besonders viel hat die dänische Küche sonst leider nicht zu bieten.

Ein Kalorienbombe ist die Gammeldags Isvaffel, die es z.B. im Nyhaven gegen viel Geld bei Vaffelbageren gibt. Eine Waffel mit einer Kugel Eis kostet 55DK.

Third Wave Craft Coffee

Die dänische Küche gleicht dafür das Kaffeehandwerk in Kopenhagen aus. Während es bei uns überwiegend schlechten Kaffee zu kaufen gibt, legt man in Kopenhagen wert auf guten Kaffee. Ich habe nirgends einen schlechten Kaffee erwischt. Es gibt sehr viele gute Cafés in der gesamten Stadt bei denen man einen guten Third Wave Craft Coffee bekommt. Angefangen bei unseren Frühstückslokationen Mad & Kaffe und Enghave Café.

Ebenfalls empfehlenswert ist CUB – Cobenhagen Underground Brewers, ein Café im Keller eines alten Hauses. Beim Eintritt steigt man von der Straße eine Treppe hinab. Wenn man auf der Straße sitzt hat man direkte Sicht auf das Schloss Christiansborg. Ein Espresso Macchiato hat hier 35DK gekostet.

Nachtclubs

Das meiste Nachtleben — so sagte es uns Kopenhagener — gibt es im sogenannten Meat-Packing District (Kødbyen, „Fleischverpackerviertel“) in Vesterbro. Hier gibt es viele alte Industriegebäude in denen nun Bars, Clubs und Restaurants zu finden sind. Wir waren dort in der Jolene Bar, in der ein DJ Techno/House Musik aufgelegt hat. Ein 0,5l Tap Bier kostet hier 47DK. Nicht günstig, aber für das Viertel schon. Dafür zahlt man keinen Eintritt, der teilweise 20€ betragen kann.

Ein weiterer empfehlenswerter Techno-Club in Kødbyen soll das KB18 sein. Wir waren nicht dort und sind uns auch nicht sicher, ob der Club noch existiert. Denn bei den spärlichen Informationen im Internet liest man es sei dauerhaft geschlossen.

Ein inzwischen mehr bekannter und kommerzialisierter Techno-Club ist das Culture Box. Nicht mehr so Underground wie früher. Der Club liegt direkt im Zentrum nahe dem Schloss Amalienborg und war aufgrund der Distanz zu Vesterbro keine Option für uns.

Als Spezialtipp gibt es noch den Folkehuset Absalon in Vesterbro. Eine alte Kirche in der tagsüber als Restaurant Essen angeboten und abends als Club getanzt wird, aber nur bis 2 Uhr morgens. Als ich dort war lief eher elektronische Musik. Dass sich in einer Kirche ein Club befindet finde ich eine mega gute Idee.

Wer nicht auf Techno steht, der ist in den mehr Mainstream-geeigneten Lokationen RUMORS, Loco oder Zefside gut aufgehoben.

Fahrradtour nach Helsingør

Wir haben mit den gemieteten Fahrrändern eine Radtour entlang der Fahrrad Route 9 Richtung Helsingør unternommen. Die Distanz beträgt gute 50km. Die Route führt entlang der Küste Richtung Norden. Und zwar direkt entlang der Küste. Rechts neben dem Radweg ist direkt der Øresund.

Auf dem Weg nach Helsingør fährt man z.B. durch Hellerop, Charlottenlund, Kokkedal, Niverød, Snekkersten. Man findet entlang der Route viele Schlösser und Festungen, Parks, und Strandbäder. Auf der anderen Seite des Øresund sieht man durchgängig Schweden. Man findet hier die schönsten Plätzchen für eine Pause während der Radtour. Einkaufsmöglichkeiten findet man auch in der Regel auf dem Weg.

In Helsingør erreicht der Øresund seine geringste Breite von etwa 4km — auf der anderen Seite befindet sich die schwedische Stadt Helsingborg. Mit der Fähre kann man den Øresund nach Schweden überqueren.

In Helsingør selbst findet man ein großes Schloss, das Kronborg Slot. Ähnlich dem Kastell in Kopenhagen, befindet es sich auf einer kleinen Insel umgeben von einem Wassergraben. In dem Schloss spielt Shakespeare’s Hamlet. Das Schloss ist außerdem UNESCO Weltkulturerbe.

Am Ende der Radtour kann man von Helsingør aus ganz einfach mit dem Zug entlang der Radroute 9 Richtung Kopenhagen zurückfahren.

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