Madeira

Die portugiesischen Atlantikinsel Madeira mit seinen hohen Bergen ist als Ziel für den Wanderurlaub bekannt. Ende Oktober 2019 war ich auf Madeira. Zu dieser Jahreszeit hatte es auf der Insel noch um die 25° C und während der 8 Tage, die ich auf der Insel war, hat es kein einziges Mal geregnet. Ideal für das Wandern, Tauchen und auch noch die ein oder andere Stunde am Strand.

Anreise

Der einzige Flughafen der Insel ist der Flughafen Madeira Cristiano Ronaldo (FNC) in der Hauptstadt Funchal. Der Flughafen ist nach dem Fußballer CR7 benannt, der gebürtiger und wohl der bekannteste Madeirer der Welt ist.

Angereist bin ich aus Deutschland mit einem Direktflug von Frankfurt am Main nach Madeira. Die Lufthansa flog die Insel im Winterflugplan 2019 jeden Samstagmittag von Frankfurt aus an. Alternativen von Frankfurt sind Condor oder TUI, die jeweils auch Direktflüge anbieten.

Ich bin sicher gelandet, allerdings nicht auf Madeira, sondern auf der Nachbarinsel Porto Santo. Der Pilot hat zwei Landeversuche auf Madeira unternommen und musste beide Male wieder durchstarten. Beim ersten Landeversuch habe ich von dem Wind nichts bemerkt, aber beim zweiten Versuch hat der Wind den Flieger ordentlich von der Landebahn gefegt. Dann kam die Durchsage, dass man überlegen wird, ob man einen dritten Landeversuch startet oder auf Porto Santo landen wird. Das Ergebnis ist bereits bekannt: Aufgrund des anhaltenden Winds wurde der Flug nach Porto Santo — keine 10 Flugminuten entfernt — umgeleitet. Dort klappte die Landung. Endlich wieder festen Boden unter den Füßen!

Nach der Landung telefonierte das Personal mit der Lufthansa Zentrale, ob man entweder erneut probieren solle nach Madeira zu fliegen oder — Achtung, festhalten — wieder nach Frankfurt zurückfliege. Und tatsächlich entschied man sich dafür nach Frankfurt zurückzufliegen. Wahnsinn! Dabei waren wir nur 10 Flugminuten vom eigentlichen Ziel entfernt. Zusätzlich kam die Durchsage, dass man zwar hier auf Porto Santo aussteigen könne, allerdings seien alle Fähren ausgebucht und das Abladen des Gepäcks nicht möglich. Das Gepäck würde somit zurück nach Frankfurt fliegen und dann mit dem nächsten Flug erneut auf Reise gehen. Bei einer Woche Urlaub auf der Insel und wenigen Flügen pro Woche keine gute Aussicht. Die beste Alternative, so das Flugpersonal, wäre das Flugzeug nicht zu verlassen und nach Frankfurt zurückzufliegen.

Ungeachtet der Durchsage stiegen 80% der Passagiere aus. Plötzlich kam die Durchsage, dass man das Gepäck nun doch abladen könne. Nun stiegen fast alle Passagiere, auch die die zuletzt zweifelten, so wie ich. Nach der Gepäckausgabe fuhr ich mit dem Taxi zum Hafen von Porto Santo. Dort war der Schalter nicht besetzt, aber man konnte online Tickets buchen. Später war auch der Schalter besetzt. Ein Mitarbeiter versicherte, dass alle Platz auf der Fähre finden würden und sich niemand um Tickets sorgen müsse.

Das Ticket mit der Porto Santo Lane kostete 30€ pro Person. Die Fähre ist riesig und hat mehrere Decks sowie ein Restaurant und kleinere Shops. Bei Madeirern ist der große Strand von Porto Santo mit weißem Sand ein beliebtes Tagesausflugsziel. Weshalb es täglich eine Verbindung von Madeira nach Porto Santo und am Abend zurück gibt. Um 18 Uhr fuhr die Fähre los und gegen 21 Uhr kamen wir im Hafen von Madeira an. Vom Hafen fuhr ich mit dem Bus zum Flughafen um den Mietwagen abzuholen.

Wetter

Auf Madeira herrscht ein subtropisch mildes Klima. Die Temperaturen sind das ganze Jahr über angenehm mild und schwanken nicht so wie in Deutschland. Am wärmsten ist es zwischen Juli und September. Im Oktober hatten wir auf der Insel immer noch um die 25 Grad und viel Sonne. Wie immer ist Wetter aber natürlich auch Glückssache.

Autofahren

Wer die Insel erkunden möchte kommt wohl kaum um einen Mietwagen herum. Am Flughafen gibt es diverse Anbieter von Mietwagen. Die gängigen Mietfahrzeuge sind eher Kleinwagen. Ich hatte einen Volkswagen Polo gemietet.

Alle Straßen auf der Insel sind gut ausgebaut, vor allem die Autobahnen. Trotzdem sollte man beim Mieten lieber etwas mehr für einen vertrauenswürdigen Anbieter und eine gute Versicherung ausgeben. Erstaunlich ist, dass man Ampeln auf der Insel vergeblich sucht. Stattdessen gibt es häufig Kreisverkehre.

Die Insel hat fast 3000m hohe Berge. Gerade im Inland abseits der Hauptstadt Funchal sind die Straßen schon mal steil und schmal. Man sollte auf jeden Fall mit gezogener Handbremse anfahren können. Im Inland der Insel gibt es auch viele Serpentinen, die die Berge hoch und runter führen. So bin ich auf der Strecke zwischen Machico und São Vicente über eine Stunde nahezu durchgehend im zweiten Gang gefahren.

Unterkunft

Die Unterkünfte haben wir im Voraus nur für die ersten Tage in Machico gebucht. Alle anderen Unterkünfte haben wir während der Reise gebucht. Etwas risikoreicher, aber zur Nebensaison durchaus möglich. So haben wir auf jeden Fall die Flexibilität die Insel in unserem eigenen Tempo zu erkunden.

Die ersten Tage haben wir im Osten der Insel in Machico verbracht. Dort sind wir in den Casas da Lucia untergekommen. Wir hatten ein kleines Studio mit Küchenzeile und eigenem Bad. Gekostet hat es 60€ für 2 Personen und 2 Nächte.

Im Nordwesten der Insel waren wir oberhalb der Stadt Porto Moniz im kleinen Dorf Santa Maria Madalena in der Pensão Fernandes. Die Unterkunft haben wir nur etwas aus der Not heraus genommen, weil es in dem Eck der Insel kaum verfügbare Unterkünfte in kleiner Preiskategorie gab. Das Gebäude war eingerichtet wie zur Kolonialzeit und das Zimmer sehr sehr schlicht. Dafür hat die Unterkunft auch wenig gekostet.

Sehenswürdigkeiten und Unternehmungen

Ponta de São Lourenço

Der Ponta de São Lourenço ist ein Kap am östlichen Ende der Insel. Der Weg zur Spitze eignet sich hervorragend für das Wandern bzw. einen ausgedehnten Spaziergang. Vor dem Wegbeginn gibt es ausreichend kostenlose Parkplätze. Die Wanderung bis zur Spitze dauert laut Schild ca. 2 Stunden und streckt sich über 3,5km.

Der Weg ist am Anfang noch gut ausgebaut aber zwischendrin gibt es durchaus unwegsamere Stücke. Man sollte auf jeden Fall festes Schuhwerk mit gutem Grip anhaben. Kurz vor Ende gibt es ein Café zur Rast. Das letzte Stück hinter dem Café ist am schwierigsten zu gehen. Man gehen einen steilen, sandigen Weg hinauf, der doch sehr rutschig war.

Der Weg war sehr windig. Man sollte also keine losen Kopfbedeckungen tragen, die unter diesen Umständen wegfliegen könnten. Man wird auf dem Weg immer wieder mit einer schönen Aussicht über den Atlantik und die Insel belohnt. Bei gutem Wetter kann man auch die Nachbarinsel Porto Santo in Richtung Osten erblicken.

Grotten von São Vicente

Die Grotten von São Vicente sind Höhlen vulkanischen Ursprungs. Der Eintritt kostet 8€ pro Person und man muss einer der geführten Touren beiwohnen. Ohne Tour ist ein Betreten der Höhlen nicht möglich. Die Tour wird gleichzeitig auf portugiesisch und englisch geführt. Am Ende der Tour kann man noch eine Musemsausstellung begutachten und einen Film mit 3D Animation über die Entstehung Madeiras anschauen. Sowohl der Film als auch die Animation wirken eher wie aus den 90er Jahren.

Piscinas Natural in Porto Moniz

Die Piscinas Natural (Natural Swimming Pools) in Porto Moniz sind aus Lava geformte natürliche Schwimmbecken an der Nordküste der Insel. Hier ist trotz Wellengang ein Baden immer möglich. Es gibt in Porto Moniz kostenlose solcher Pools, aber auch besser ausgebaute, die 1,50€ Eintritt kosten.

Ponta do Pargo Lighthouse

Am Ponta do Pargo steht ein Leuchtturm, der zwar nicht besonders außergewöhnlich ist, aber er markiert den westlichsten Punkt der Insel.

Cabo Girão Skywalk

Cabo Girão ist Europas höchste Steilklippe mit fast 600 Metern Höhe. An der Klippe befindet sich ein Skywalk mit Boden aus Glas auf dem man über den Rand der Klippe hinaus treten kann und so über dem Abgrund steht. Nichts für schwache Nerven oder Menschen mit Höhenangst.

25 Fontes und Risco Wasserfall

Durch das Gebirge im Inland der Insel erstreckt sich ein Kilometer langes System aus Kanälen (Levadas). Entlang der Levadas führen viele Wanderrouten. Bekannt sind vor allem die Route der 25 Quellen (Fontes) und die Wanderung zum Risco Wasserfall.

Die Levada-Wanderungen sind gefährlich und man hört und liest immer wieder von Unfällen. Die Wanderwege sind schmal und teilweise direkt neben den Abhängen. Festes Schuhwerk ist definitiv empfohlen. Außerdem sind die Wanderwege gut besucht und die Schmalheit macht das Vorbeidrängen an entgegenkommenden Wanderern nicht einfacher. Ein Guide kann etwas mehr Sicherheit bieten, dennoch bleibt ein Restrisiko.

Ich habe bei der Wanderung viele ältere Menschen mit Wanderstock gesehen, die den Wanderweg gegangen sind. Wobei ich mich frage warum man dann so einen schwierigen Wanderweg gehen muss, wenn man nicht genug Trittsicherheit hat und sich auf Wanderstöcke verlassen muss. Für Jüngere mit guter Trittsicherheit und Balance ist der Weg eigentlich kein Problem. Aber selbst wir mussten verdammt gut aufpassen und immer auf den Boden gucken wo wir hintreten. Ein paar mal sind wir auch gestolpert oder irgendwo kurz abgerutscht. Man muss bedenken, dass man auf den Levada-Wegen weit abgeschieden ist und sich eine Rettung im Notfall als schwierig erweisen kann.

Dolphin and Whale Watching

Da Madeira im Atlantik auf einer Route liegt die öfter von Walen gekreuzt wird, bieten viele Veranstalter Dolphin and Whale Watching an. Delphine und Pilotwale sieht man häufiger, zu gegebener Jahreszeit aber auch größere Wale.

Wir sind mit einem Katamaran von VMT Madeira für 35€ pro Person vom Hafen in Funchal gestartet. Kurz nach dem Start der Tour haben wir für ca. 5 min Delphine und Pilotwale gesehen. Die Säugetiere sind nur während des Luftholens kurz an die Oberfläche zu sehen gewesen. Ob sich die 35€ dafür gelohnt haben? Wohl kaum. Aber es war bei gutem Wetter abseits der Delphine dennoch ein netter Bootstrip, denn der Katamaran hat noch eine Tour gedreht. Am Ende der Tour konnte man unterhalb der Cabo Girão eine Runde im Meer schwimmen.

Wanderung vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo

Madeira ist die Wanderinsel und so bieten sich viele Wandertouren an. Bekannt ist vor allem die Wanderung vom Pico do Arieiro, dem dritthöchsten Berg der Insel, zum Pico Ruivo, dem höchsten Berg der Insel, oder in anderer Richtung.

Doch hier ergibt sich ein logistisches Problem: Fährt man mit dem Auto zu einem der beiden Berge als Startpunkt, so muss man die Weg auch wieder zurückwandern, damit der Startpunkt auch der Endpunkt ist. Sonst erreicht man sein Auto nicht mehr. Eine Alternative ist mit einem Taxi um das Gebirge herum zum Startpunkt zu fahren und dort das Auto abzuholen.

Eine andere Alternative ist eine Tour eines Veranstalters zu buchen. So wird man zum Pico do Ariero gebracht und wandert von dort 3 Stunden zum Pico Ruivo über das Gebirge. Vom Pico Ruivo wandert man ca. 45 Minuten zum Parkplatz, wird dort dann abgeholt und nach Hause gebracht. Der Nachteil ist, dass man mit einer größeren Gruppe unterwegs ist und das Tempo von den langsamsten Gruppenmitgliedern vorgegeben wird. Dafür bietet der Tourguide noch allerhand Informationen über die Natur und die Insel.

Der Wanderweg selbst ist eigentlich gut ausgebaut. Bei schwierigeren Passagen gibt es Geländer und Treppenstufen. Allerdings sind diese schmal und steil, man braucht also auch hier wieder Trittfestigkeit. Problematisch ist wieder der Gegenverkehr durch entgegenkommende Wanderer, die den Weg umgekehrt laufen oder wieder auf dem Rückweg sind.

Wir haben für 33€ pro Person bei https://www.madeirahappytours.com gebucht. Zu unserer Zeit wurden die Touren Dienstags, Freitags und Samstags angeboten. Die Buchung ging einfach 2 Tage vorher per Mail. Bezahlt haben wir dann einfach in Bar beim Abholen an unserer Unterkunft. Wir wurden an unserer Unterkunft in Funchal bzw. fußläufig davon aufgesammelt.

Auch hier sollten auf die Packliste wieder feste Schuhe, Wasser, Sonnenschutz und eine (Regen-)Jacke.

Schreibe einen Kommentar